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"An der schönen roten Donau" Drucken E-Mail

Wie ging es den jungen Mädchen und Burschen, die 1945 gerade aus den Kinderschuhen schlüpften und als Teenies und Hoffnungsgeneration in eine neue Zeit - eine Zeit ohne Krieg - blicken durften? Stand ihnen sofort die Welt offen? Welche Zukunftsvorstellungen hatten sie und wie sah ihre Realität aus? Wie empfanden sie ihren Alltag, in dem der Hunger langsam verschwand, "Konsum" aber noch ein Fremdwort war?

 

 

Regisseur Kurt Brazda ging für seinen 45minütigen Dokumentarfilm AN DER SCHÖNEN ROTEN DONAU (Kamera: Benjamin Epp) diesen Fragen nach, sprach mit den damaligen Jungen und forschte nach Archivmaterial. Vor allem aber fand er Gesprächspartner/innen, die - je nach Temperament wehmutsvoll, begeistert oder illusionslos über ihr Leben als junge Frau/junger Mann im Wien der Nachkriegsjahre erzählen.



 

Noch Lichtjahre entfernt vom konsumorientierten Zeitgeist von heute entwickelten sich nach '45 Träume und Sehnsüchte von einem Leben endlich ohne kriegsbedingte Bedrohung, Hunger und materieller Entbehrung. Die sich langsam lösende kollektive Angst gab wieder Raum für zwischenmenschliche Begegnungen jeder Art, die zum Brennpunkt der alltäglichen Lebensführung wurden: "Wir hatten nur uns und hatten Spaß dabei“ so berichtet die damals 23jährige Rosa Heinz im Film. Unterhaltung, das hieß damals wie heute gemeinsames lustvolles Erleben, freilich mit einem wesentlichen Unterschied zu heute: Alle hatten gleich wenig und von Wert war alles, was den Alltag mit Freude erfüllte.

 



Auch von Politikverdrossenheit war in diesen Jahren noch keine Rede. Unter der Devise „Nie wieder“ erwachte in vielen jungen Menschen das Bedürfnis nach politischem Engagement, vor allem ging es darum, den Einzelnen und seine Stellung in der Gesellschaft wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Auch der Humor durfte wieder kritisch sein: "An der schönen roten Donau" lautete ein besonders unter der jungen Generation beliebter Gassenhauer von Hermann Leopoldi, in dem es um die erschreckende Anpassungsfähigkeit der Österreicher ging - egal ob Naziherrschaft oder russische Besatzung...



 

Regisseur Kurt Brazda: "Der Schwung und Optimismus von damals, wo alles noch so einfach schien, wirkt wie eine schöne Illusion angesichts der politischen Niederungen unserer Gegenwart. Doch mir ging es mit diesem Film nicht um eine unbotmäßige Verklärung einer schweren Zeit sondern darum, dass diese Menschen eine „Schule der Genügsamkeit“ vorgelebt haben und dabei ein Glücksgefühl empfanden, dass unserer auf Konsum und Besitz fixierten Generation abhanden gekommen ist."

 

Buch und Regie: Kurt Brazda

Kamera und Schnitt: Benjamin Epp AAC

Ton: Christian Bednarik

Musik: Peter Kaizer