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"Was heißt denn hier Ruhestand!?" Drucken E-Mail

60- und 70 jährige betreten zum ersten Mal jene Bühnen, die Profi-Tänzerinnen bereits im Alter von 35 Jahren verlassen haben. Ihr Anspruch: sich in Form von zeitgenössischen TanzPerformances öffentlich zu präsentieren, als aktive KünstlerInnen und nicht als passives Publikum.

 

Die fünfzehn Mitglieder der „AGE COMPANY“ kommen aus unterschiedlichen Berufen: Wirtschaftsexpertin, Physiotherapeutin, Modell, Journalistin, Sozialarbeiterin, Telefonistin, Cutterin, Fremdenführerin, Kosmetikerin, Kulturmanagerin. Sie sind verliebt, verheiratet, geschieden. Sie leiden unter Bandscheibenvorfall, haben künstliche Hüftgelenke, Grauen Star, Zahnprothesen und Koordinationsschwierigkeiten. Jede hat ein anderes Motiv, mitzumachen: etwas Neues wagen, sich einen Lebenstraum erfüllen, der Einsamkeit entkommen, das eigene kreative Potential ausleben, endlich künstlerisch arbeiten.

Bescheiden, dankbar und freundlich sollten sie sein, die Alten, zufrieden auf ein erfülltes Leben zurückblicken und weise nach vorne schauen, möglichst unauffällig und bewegungslos, so will es die Gesellschaft. Aber, ist das wirklich eine Perspektive für älter werdende Menschen?

 

 

 

 

 

Die Mitglieder der AGE COMPANY sagen  „Nein danke“. Richtungswechsel ist angesagt, neue Geschichten wollen erzählt werden
Die dabei verwendeten Requisiten: die alternden Körper, diese Speicher von individuellen Geheimnissen, biographischen Brüchen, unerfüllten Hoffnungen, aufflackernder Wut,  Angst vor der Liebe, Resignation über verpasste Gelegenheiten, der Sehnsucht nach Freiheit und von der Freude am Leben.

 

Der Dokumentarfilm von Regisseur Kurt Brazda und Kameramann Benjamin Epp begleitet die AGE COMPANY über ein Jahr, nimmt teil am Leben einzelner Protagonistinnen und dokumentiert Frust und Lust beim Erarbeiten der Tanzgeschichten. Er zeigt aber auch die Arbeit der Choreografin, sowie die Performance selbst. Die Ästhetik der älteren Körper, an denen sich die jeweilige Lebensgeschichte ablesen lässt, wird in den Bildern deutlich wahrnehmbar.

Nora Aschacher

 

KAMERA und SCHNITT: Benjamin Epp
TON: Christian Bednarik
AUFNAHMELEITUNG: Ilse Stadler
BUCH: Nora Aschacher
REGIE: Kurt Brazda